W I D E R H A L L - Nr. 62
P F I N G S T E N ~ M a i / J u n i ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Und jetzt Krieg gegen Syrien?


Lunte am Pulverfaß:
Der Destabilisierungsplan der USA für den Nahen Osten
und Europas künftige Rolle.


Von Kersten Radzimanowski

Die angeblichen Helfer aus Frankreich und England,
den USA sowie weiteren NATO-Staaten, die zur Durchsetzung
ihrer Pläne in den Nahen Osten und nach Nordafrika eilten,
kamen nicht mit Löschflugzeugen.

*

Die abgeworfenen Behälter, auf denen "Demokratie" und "Menschlichkeit" mit großen Lettern
geschrieben standen, explodierten in den Wohnhäusern. Kollateralschäden, wie der Terminus technicus
dafür lautet. In den Eimern, die sie mit so viel Einsatz zu den Brandherden tragen, befindet sich Öl, mit
dem sie die Flammen der von ihnen initiierten Unruhen zu löschen vorgeben. Opfer des von ihnen
kräftig entfachten Feuers des Aufstandes wurden auch eine Reihe von Staatschefs, die meinten, enge
und solide Verbindungen zu den USA und dem Westen zu besitzen.

Aber auch sie nur Bauernopfer im Spiel um die Macht. Das tragischste Beispiel ist Ägyptens Präsident
Hosni Mubarak. Sein von den USA exekutierter Sturz hat viele amerikanische Verbündete in der
Region wie etwa dem saudischen König Abdul1ah in einen höllischen Schrecken versetzt. Ihnen wurde
vorexerziert, was den USA ihre Statthalter wert sind. Deren Verfallsdatum richtet sich ausschließlich
nach deren Nutzen für die USA.

Und die Amerikaner haben fast über Nacht ihre Strategie geändert. Statt des bislang propagierten
"Krieges der Kulturen" ("Kampf gegen den Terror") werden nun die Araber gegeneinander aufgehetzt:
Sunniten gegen Schiiten, Moslems gegen Christen, Modernisten gegen Gottesgläubige. Die
entsprechenden Veröffentlichungen bei WikiLeaks haben einen Vorgeschmack darauf gegeben.

Etwas anders verhält es sich mit Syrien. Gegen dieses mit der Türkei und dem Iran eng verbündete
Land können die USA und Israel nicht frontal vorgehen. Auch ein UNO-Beschluß für ein militärisches
Eingreifen analog zu Libyen ist undenkbar - es würde am russischen Veto scheitern.

*

S t r a t e g i e w e c h s e l ~ W a s h i n g t o n s .

Rußland mag vieles an der Politik des syrischen Präsidenten Assad mißfallen, aber daß es seinen engen
Verbündeten, der Rußland zugleich einen Marinestützpunkt in Tartus einräumt, den USA überlassen
würde, wäre nur einem Präsidenten Boris Jelzin zuzutrauen. Deshalb liegt der Unterschied des Krieges
gegen Syrien im Vergleich zu den anderen Ländern in Nahost in den vom Westen angewandten
Kampfformen.

In Syrien wird er viel stärker im Untergrund, durch subversive Aktionen von CIA, Mossad sowie
Kommandounternehmen westlicher Spezialtruppen geführt. An einer offenen Konfrontation mit
Rußland ist den USA zur Zeit überhaupt nicht gelegen, haben die Strategen in Washington noch immer
im Hinterkopf, das strategische Bündnis China-Rußland aufzulösen, um Amerikas Todfeind am
Gelben Meer entscheidend zu schwächen.

Die USA haben mit den provozierten Unruhen ein paar Steine ins Rollen gebracht. Und obwohl dies
wie bei einer Lawine weitreichende politische Veränderungen auslöst, hoffen die USA, daß sie ihnen
nicht gefährlich werden. Im Gegenteil wollen sie daraus Nutzen ziehen. Der hochrangige ehemalige
bundesdeutsche Diplomat Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, hat in
einem Interview Anfang Mai in Wien ganz klar umrissen, um was es bei den Unruhen in Nahost und
Nordafrika geht. Die arabischen und nordafrikanischen Völker werden gegeneinander aufgehetzt, damit
der wirkliche Feind, nämlich Israel und die USA, ihr altes Machtprinzip durchzusetzen vermögen: Teile
und herrsche.

So erklärt der ehemalige Politische Direktor des Auswärtigen Amtes wörtlich: "Der etwas allgemein als
arabischer Frühling bezeichnete Umbruch hat die aggressiven antiwestlichen Ressentiments in den
arabischen Ländern in den Hintergrund gedrängt. Aus unserer Sicht ist es erfreulich, daß sich die
arabische Welt mit sich selbst, mit Mißständen im eigenen Lager zu befassen bereit ist und nicht die
Schuld für alle Übel in der Welt bösen Zionisten oder Amerikanern zuweist."

*

E u r o p a ~ v e r l i e r t ~ a n ~ G e w i c h t .

Es wird sich noch zeigen müssen, ob Washingtons Plan aufgeht. Das Kräfteverhältnis in der Region
jedenfalls wird neu austariert, und die Bedeutung Europas für den Nahen Osten - speziell Frankreichs,
Englands und Italiens - wird erheblich reduziert. Wir befinden uns in einer Umverteilung des
geopolitischen Einflusses. Gewinner sind die regionalen Großmächte Türkei und Iran. Die islamische
Republik wird beispielsweise auf der 16. Sitzung der Außenminister der Mitgliedsländer der Bewegung
der Blockfreien (NAM), (...) die Leitung dieser Bewegung übernehmen.

Das wachsende Gewicht des Iran und der Türkei wird es auch mit sich bringen, daß sich die neu
strukturierenden Staaten in der Region beim Staatsaufbau an ihnen orientieren und mittelfristig
entweder dem Kemalismus in der Türkei oder der iranischen Theokratie ähneln werden.

Deutschland, das traditionell gute Beziehungen zu den arabischen Staaten besaß, wie auch die EU
insgesamt werden in der Region nahezu bedeutungslos. Frankreich unter Sarkozy, der sein völlig
ramponiertes innen- wie außenpolitisches Image aufpolieren wollte und die militärische Intervention in
Libyen initiierte und auch gegenüber Syrien den Möchtegern-Napoleon spielt, hat ebenso wie England
den gegenteiligen Effekt bewirkt. Beide Staaten werden zu den großen Verlierern des Umbruchs zählen
und sich in der Welt des 21. Jahrhundert mit der Statistenrolle zufrieden geben müssen.

* * * * * *

Quelle: "Deutsche Stimme", Juni 2011,
Monatszeitung für Politik und Kultur,
Postfach 100068, D-01571 Riesa,
ePost Redaktion: redaktion(A)ds-verlag.de

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Abgeschlossen am 9. Juni 2011.
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