W I D E R H A L L - Nr. 62
M a i / J u n i ~ P F I N G S T E N ~ 2 0 1 1 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Michael Nier

Spiel mit dem Feuer.

Auch Deutschland wird zum Kriesenherd.


Die französische Revolution von 1789 resultierte aus einem Ursachenkomplex von Naturkatastrophen,
hohen Lebensmittelpreisen und extremer Staatsverschuldung. Geistig vorbereitet war sie schon lange
durch die Aufklärung. Der Laki-Krater auf Island hatte ab dem 8. Juni 1783 acht Monate lang rund 100
Mill. Tonnen Schwefeldioxid und mehrere Millionen Tonnen Fluor in die Atmosphäre gespuckt. Es
entstand ein "vulkanischer Winter" mit jahrelangen Mißernten und Hungersnöten in Nordamerika und
Europa. Das kann wieder passieren, wenn beispielsweise in den USA die Magmakammer des
Yellowstone explodieren sollte. Diese ist 60 km lang, 40 km breit, 10 km hoch und enthält 24.000
Kubikkilometer Magma.

Das Erdbeben in Japan vom 11. 3. 2011 mit 9.0 auf der Richter-Skala hat in der Folge zu einem Atom-
Supergau in Japan geführt. Die Folgen auf die Weltwirtschaft, die globalen Liefernetze und unsere
Sicht auf die energiefressende Zivilisation sind noch nicht absehbar. Frau Merkel wird von den
Atomkraftgegnern wegen ihrer Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken schon als Gau-Leiterin
verspottet. Da hilft ihr auch nicht das Wahlkampfmoratorium, die Verlängerung der
Kernkraftwerkslaufzeiten für drei Monate auszusetzen. Doch die Wirkungen eines "vulkanischen
Winters" hat die christlich-kapitalistische westliche Wertegemeinschaft in der Wirkung schon teilweise
hinbekommen, indem man den Völkern der Welt das Essen vom Teller nahm und als Super Benzin E
10 oder Bio-Diesel in die Autos der westlichen Welt schütten wollte. Einige Länder praktizieren das
bereits längere Zeit. Auch in Deutschland wird fruchtbares Ackerland durch Monokulturen für
Agrartreibstoff schwer geschädigt oder dumm mit Gewerbegebieten und Straßen überbaut. Dabei
stehen in den Städten Mitteldeutschland riesige leere Flächen brach, auf denen bis kurz nach 1990
sogar weltbekannte Industriebetriebe standen.

Durch Spekulanten konnten die Rohstoff- und Lebensmittelpreise so gesteigert werden, dass im Nahen
Osten und auch anderswo die Leute auf die Straße gingen und Revolte machten. Essen wurde für die
vielen arbeitslosen jungen Leute und Familien zu teuer. Es waren die Mittelschichten, denen der
Westen was von Menschenrechten, Freiheit und Demokratie erzählt hatte. Die schienen das wirklich
geglaubt zu haben. Revolutionär wollten sie in westliche Illusionen aufbrechen. Das paßte den USA
anfangs in den Kram, könnte man doch die häßlichen Formen der Herrschaft ihrer verbündeten
Despoten und Feudalherren im Nahen Osten wandeln. Noch immer gilt der Spruch eines US-Senators:
"Es ist eine Unverschämtheit, dass unser Öl bei den Arabern in der Erde liegt." Hinter einem
demokratischen Zauber und der Plakatierung mit Menschenrechten könnte der Einfluß des Westens
doch viel sicherer sein. Wichtig allein ist dem Westen der sichere Zugriff aufs Öl. Übrigens, Libyen hat
die größten Erdölreserven Afrikas.

Doch in der Welt haben sich die Kräfteverhältnisse verändert. Die USA sind nicht mehr in der Lage die
Welt nach ihren Wünschen zu gestalten. Es geht immer mehr daneben. Sie versuchen es trotzdem
immer wieder. Ein Weltkampf ist entbrannt. Die USA sind mit den verlogenen und verlorenen Kriegen
im Irak und Afghanistan außenpolitisch geschwächt. Die wie auch immer gezündelten oder von allein
aufgeflammten Volksrevolutionen stärken den Westen nicht. Es entstehen nur neue Brennpunkte, an
denen die Massen die moralische und politische Schwäche der militärisch noch immer starken USA
studieren können. In all den Ländern, die vom Westen zu industriearmen Importwirtschaften umgebaut
worden sind, bringt die Wirtschafts- und Finanzkrise Unruhen, Revolten und Revolutionen hervor.
Wenn die Lebensmittelpreise steigen, gehen die Leute auf die Straße. Irgendwie müssen sich die Leute
ja wehren.

Die von den USA ausgegangene und noch lange nicht bewältigte Weltfinanzkrise hat die USA selbst
schwer getroffen, sowohl innenpolitisch, als auch außenpolitisch. Mit 44 Millionen
Lebensmittelkartenempfängern, über 20 % Arbeitslosigkeit, 40 % der US-Bürger im
Niedriglohnsektor, völliger Verschuldung von über 80 % der Bürger und der Tatsache, dass rund ein
Drittel der US-Amerikaner nicht mehr satt zu essen haben, stehen die USA nicht gut da. Die USA
machen aber weltpolitisch weiter, sie haben mit ihrem Militär, den Diensten und den
Menschenrechtsorganisationen große Fahrt aufgenommen. Wie ein Großtanker. Sie machen stupide
weiter, auch wenn die Verhältnisse sich immer mehr gegen sie richten. Die Chinesen zeigen schon eine
ziemliche Respektlosigkeit gegenüber den USA. Sie können wohl die Lage realistisch einschätzen. Das
signalisiert eine Zeitenwende.

Am 1. Juni 2009 hat Timothy Geithner bei einem Vortrag an der Pekinger Universität behauptet, dass
die chinesischen Geldanlagen in US-Staatsanleihen sicher seien und damit schallendes Gelächter der
Studenten der Wirtschaftswissenschaften geerntet. Eigentlich hat er damit sein Gesicht verloren. Am
19.1.2011 hat der Pianist Lang Lang zum Staatsdinner des US-Präsidenten anläßlich des Besuchs von
Hu Jintao das Stück "Mein Vaterland" aus dem antiamerikanischen Film "Die Schlacht auf dem
Shangganling Berg" gespielt. Der Film handelt vom Koreakrieg und den Kämpfen zwischen US-
Truppen und chinesischen Freiwilligen. Sehr respektlos. Am 2. März 2011 ging eine Meldung durch
die Welt, dass die VR China beabsichtigt, noch 2011 den Import und Export Chinas generell in Yuan
abzuwickeln. Man kann diese Meldung als einen angekündigten Angriff auf die Weltreservewährung
Dollar werten.

Dabei gibt es doch für die USA deutliche Signale zum Einhalten. PIMCO, der US-Anleihespezialist
der Allianz, hat alle US-Staatsanleihen verkauft. Den Anlegern seien die Risiken nicht mehr
zuzumuten. Die FED ist derzeit der größte US-Staatsanleihenkäufer. Sie hat China abgelöst. Ich glaube,
die USA sind zu einer Korrektur ihrer Politik nicht mehr in der Lage. Sie werden bis zum Kollaps ihrer
Währung weitermachen. Erst wenn keiner mehr was für einen Dollar gibt, kommt Einsicht. Auch
innenpolitisch stehen die USA vor schweren Zeiten, die Tea-Party-Bewegung zeigt es. Die Katastrophe
in Japan mit Tsunami, Atom-GAU und einer weitgehend stillstehenden Industrie lässt das
hochverschuldete Japan zumindest zeitweilig aus der Phalanx des Westens ausscheren.

Auch die EU wackelt. Der "Pakt für den Euro" wird selbst uns in der BRD schwer schädigen.
Bundeskanzlerin Merkel hat sich den Forderungen der Finanzwirtschaft gebeugt, keine Bank darf pleite
gehen und alle Bankschulden sind in Staatsschulden zu verwandeln. Das IFO-Institut München schrieb
schon am 19. Nov. 2010 von einer Haftungssumme der Ländergemeinschaft für den Euro von 923
Mrd. Euro, wobei als deutscher Anteil 215 Mrd. Euro genannt wurden. Unser Anteil wird jetzt weiter
erhöht. Der Euro wird gesichert, koste es was es wolle. Er wird letztlich nicht zu retten sein, denn die
ungleichmäßige Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum ist nicht veränderbar. Sie wird nur schlimmer
werden, denn die EU-Peripherieländer versinken in Schulden und werden durch Zwangsprivatisierung
ihres Nationaleigentums reineweg ausgeraubt. Die Lebensqualität in den Ländern fällt wie ein Stein.
Griechenland hat Nationaleigentum für 50 Mrd. Euro zu "privatisieren". Unter dem Würgegriff von
EU und IWF winden sich die Regierungen und wollen ihren Bürgern alle Lasten aufbürden. Das wird
nicht funktionieren. Ziviler Ungehorsam und Revolten sind die Folge. Europa wird nicht mehr zur
Ruhe kommen.

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|| "REKORD-RENDITE FÜR GRIECHISCHE STAATSANLEIHEN!
|| Frankfurt. Anhaltende Umschuldungsgerüchte haben die Ren-
|| diten griechischer Staatsanleihen auf neue Rekorthöhen ge-
|| trieben. So stieg die Rendite zweijähriger griechischer
|| Staatsanleihen erstmals seit Gründung der Währungsunion
|| über die Marke von 25 Prozent. Dagegen liegt die Rendite
|| für zweijährige deutsche Staatspapiere derzeit bei 1,76
|| Prozent. Der Grund ist die erstklassige Bonität Deutsch-
|| lands." Soweit die "Neue Osnabrücker Zeitung" v.28.Apr.11.
|| Angesichts der "über" 25 % Zinsen ist der Staat Griechen-
|| land eigentlich Bankrott. Solche Zinsen kann kein Staat
|| auf Dauer durchhalten. Die Geldgeber spekulieren offen-
|| sichtlich um das griechische Volksvermögen (Privatisie-
|| rung) oder haben den "Rettungsschirm" im Blick und da-
|| mit vornehmlich den deutschen Steuerzahler. Das geht so-
|| lange bis auch die Bonität der BRD runtergestuft wird.KHH.
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Die Oberstschichten sind aber immer noch nicht fähig, die Lage und die Tendenz einzuschätzen. Immer
noch wird geglaubt, durch Medienmacht und politische Überwachung die Situation im Griff behalten
zu können. "Alternativlos", so das Merkel-Unwort des Jahres 2010, haben wir die gegen die Bürger
Europas gerichtete EU-Politik zu akzeptieren. Wir als Deutsche werden sicher noch über eine halbe
Billion Euro Bankenrettungsmittel zu unseren schon 2 Billionen Euro Staatsverschuldung zu schultern
haben. Da sind die rund 338 Milliarden Euro Verleihungen der Deutschen Bundesbank an andere
Zentralbanken Europas noch nicht mit eingerechnet.

Hatten wir schon über die Jahrzehnte eine Scheckbuchdiplomatie, so schmeißen unsere Volksvertreter
jetzt in der Weltfinanzkrise direkt das Geld aus dem Fenster und nehmen dafür Schulden auf, die allein
das deutsche Volk zu bezahlen haben wird, sei es durch Abarbeiten, Darben oder Inflation (*). Die
vielen gesunden und kräftigen Gäste im Land und die Millionen, die in unser Sozialsystem einwandern
möchten und durch die EU auch sollen, schaffen ja keine Werte. Die Aufstände im Nahen Osten haben
wahrscheinlich auch für uns eine dramatische Wirkung. Enttäuschte Menschen ohne Chance machen
sich in ihren Heimatländern mit Gewalt Luft. Das betrifft Nordafrika, aber auch Europa. Generalstreiks
und ziviler Ungehorsam in Griechenland, Spanien, Portugal, Irland usw. können als Beispiel wirken.
Gewalt aus dem Volk wird mode und schick. Menschen auf der Suche nach dem guten Leben kommen
zu uns. Sie werden es bei uns nicht mehr finden, denn auch bei uns wird das Sozialsystem seit Jahren
gegen uns abgebaut. So wird die EU zu einer unruhigen Weltregion. Auch wenn bei uns vielleicht kein
Atomkraftwerk hochgeht, kann in Europa der soziale Super-Gau stattfinden. Die EU-Kommission wird
dann als GAU-Leitung arg zu tun haben, wenn es sie nicht einfach wegpustet.
* * *
Quelle: Euro-Kurier, Grabert-Verlag Tübingen, 22. Jahrgang, Nr. 4, April 2011, S. 2 - 3.
* * *

(*) = "INFLATION STEIGT IM APRIL AUF 2,4 PROZENT! - Wiesbaden. Die Verbraucherpreise in
Deutschland sind im April so stark gestiegen wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum
Vorjahresmonat lag die Teuerung bei 2,4 Prozent. Zuletzt hatte die Inflation im Oktober 2008 so hoch
gelegen. Die Europäische Zentralbank spricht nur bis zu einem Wert von maximal zwei Prozent von
Preisstabilität. Grund für die steigende Inflation sind vor allem steigende Energie- und Rohstoffpreise."
Aus "Neue Osnabrücker Zeitung" vom 28. April 2011.
Seitenbetreiber: Bei einer Inflationsrate von zwei Prozent von "Preisstabilität" zu sprechen, halte ich für
unkorrekt. Jede Preiserhöhung - egal wie hoch und egal aus welchem Grund - ist ein Angriff auf das
Sparbuch des "kleinen Mannes". KHH.

* * * * * *

Riskante Debatte über Pleiteländer?


In der SPD gibt es Leute, die davor warnen, daß in den Medien zu viel über "die sich zuspitzende
Schuldenkrise in Griechenland und Portugal" diskutiert wird. Eine breite öffentliche Debatte würde
"weitere Unruhe in die Märkte ... tragen". Der SPD-ler und Fraktionsvize Joachim Poß meinte, daß es
"nicht ohne Risiko" sei, die wirtschaftliche Lage der Südländer in aller Öffentlichkeit nahezu tagtäglich
auszubreiten. Was sagt uns das? Auf jeden Fall, daß die prekäre Lage dieser Staaten eine schreckliche
sein muß, wenn man schon Angst hat, daß es zur Eskalation kommen kann, wenn sie erörtert wird.
Oder sollen die Warnungen vor öffentlichen Diskussionen Beruhigungs- und Stillhalte-Pillen sein?
Einfach unter den Teppich kehren?

Nach jetzigen Zahlen gab es im Vorjahr in Griechenland einen Fehlbetrag im Haushalt von 10,5 % statt
der bekanntgegebenen 8,6 %. Den Portugiesen ging es nicht viel besser. Anstatt des veröffentlichten
Defizits von 8,6 % gab es in Wirklichkeit eins von 9,1 %. Erlaubt sind aufgrund des Maastricht-
Vertrages allerhöchstens drei Prozent. Die schlechteren Zahlen waren auch ein Grund für die Debatten
über eine Umschuldung Griechenlands.

Obwohl SPD-Mann Poß sich als Gegner der Debatten gab, redet er nun kräftig in der Öffentlichkeit
mit und meint, daß eine Umschuldung "eine denkbare Option" sei. Nur das gehe ohne eine Absprache
mit "wichtigen Akteuren" nicht, wobei die Europäische Zentralbank dazu gehöre. Und so debattiert
dieser Poß mit: "Genau dieser notwendige Sondierungsprozeß würde aber die Probleme der genannten
Staaten und die Instabilitäten an den Finanzmärkten weiter vergrößern". Dazu meinen die "Bramscher
Nachrichten" vom 29. April 2011: "Vor einem Jahr hatten die Europäer und der Internationale
Währungsfonds (IWF) ein Hilfspaket von 110 Milliarden Euro geschnürt (zu dem die BRD den
Löwenanteil beisteuerte - KHH.), um Athen vor dem Staatsbankrott zu retten." Zum Schluß beteuert
SPD-Poß wörtlich: "Wer glaubt, daß die Finanzkrise bereits hinter uns liegt, der verkennt den Ernst der
Lage." Und das sei so "völlig unabhängig von den aktuellen Diskussionen". Also können
diesbezügliche Diskussionen und Debatten doch gar nichts mehr verschlimmbessern, oder?
Karl-Heinz Heubaum
*
Zitate aus oben genannter Zeitung.
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Abgeschlossen am 29. April 2011.
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