W I D E R H A L L - Nr. 58

W E I H N A C H T / D e z e m b e r ~ 2 0 1 0 .
Ein privates Weltnetz-Magazin aus Deutschland.
Guten Tag wünscht Karl-Heinz.Heubaum(A)t-online.de
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Weihnachten, das innigste der Jahresfeste.
Julfest - Uraltes Brauchtum.


Ein Fest im Julmond, dessen Ursprung ein ganz anderer ist
als der, den wir heute kennen und feiern. Jul kommt aus dem
Nordischen und steht eigentlich für das Fest der Winter-
Sonnenwende. Daraus hat sich also auch der Monatsname
Julmond abgeleitet.

Von Edda Schmidt, Vorsitzende des
Rings Nationaler Frauen.


Heute ist der Dezember für viele wohl eher ein Begriff, doch erst seit dem 13. Jahrhundert in
Mitteleuropa kalendarisch belegt, bezieht sich dieser Name auf die 10 und war daher der 10. Monat im
altrömischen Kalender. Er wurde auch nie entsprechend korrigiert und als 12. weitergeführt.

Da unsere Vorfahren, so wie wir, ein sehr naturverbundenes Volk waren, haben sie um die Kraft der
Sonne gewußt. Im ewigem Kreislauf des Stirb und Werde nahm sie Einfluß auf den Lebensrhythmus
unserer Ahnen. Der Kreislauf bestimmte somit über Leben, Wachstum, Tod und Wiedergeburt. Diese
Erkenntnis haben sie mit Hilfe von Sinnbildern versucht zu überliefern. - Ein Zeichen ist die
Midgardschlange, die sich in den Schwanz beißt. Deswegen auch der Adventskranz, denn auch in ihm
fallen - wie im Kreis - Anfang und Ende zusammen, was durch die vier Kerzen symbolisiert wird, die
die vier Jahreszeiten und damit den immerwehrenden Jahresrhythmus versinnbildlichen. In der Julzeit
stirbt nun die Sonne, aber nicht, um ewig tot zu sein, sondern um sofort wieder neu geboren zu werden.
Denn mit jedem Tag kommt der Frühling etwas näher, um Blumen und Gräser zu schenken.


Wie es zum "Christbaum" kam.


Und was liegt näher, als das Abbild für die Sonne das Feuer zu nehmen. So wurde in Sippen- und
Dorfgemeinschaften oft ein Sonnwendfeuer als Teil der Feier abgebrannt. Da es im Norden Europas
nun einmal kälter ist und ein rauheres Klima herrscht, war das Feuer unabkömmlich, denn auch das
Feuer wähnte und brachte Licht ins Dunkel. Und darum war es heilig.

Es war nur dem Ältesten im Hause gestattet, das Feuer zu hüten und dauernd zu unterhalten. Und da es
eine göttliche Urkraft ist, ruht am Feuer auch jede Art von Streit. Nur einmal im Jahr hat man das Feuer
erlöschen lassen. In der heiligen Julnacht, in der das Weltenfeuer starb, mußte auch das Herdfeuer
sterben, um dann mittels eines Brandes vom neu entfachtem Sonnenwendfeuer wieder entzündet zu
werden. Denn die Entfachung des Winter-Sonnenwendfeuers war nichts anderes als die symbolhafte
Neugeburt des vom Himmel niedergestiegenen Sonnensohnes.

Eines der bedeutendsten Gestalten der Julzeit ist Ruprecht, der Weihnachtsmann. Er ist der Behüter
alter Bräuche, der Heimat, des Volkes, und sieht zur Weihnachtszeit nach dem Rechten. Am Abend des
6. Dezember kommt er als erster Bote des Julfestes. Wenn die Kinder ihre Schuhe geputzt haben, dann
kann es sein, daß er den Kindern zur Belohnung Früchte aus dem Wald und kleine Geschenke bringt.
Auch die Lebensrute ist ein natürlich wichtiger Bestandteil, der nicht fehlen darf, denn ganz anders wie
im Christentum soll sie keine Bestrafung sein, sondern als Fruchtbarkeitssymbol gelten.

Waren die Kinder artig und der Ruprecht da, können nun die eigentlichen Vorbereitungen für das
Julfest beginnen. Wie schon erwähnt, ist der Adventskranz ein wichtiger Bestandteil des Festes, denn
als Symbol des ewigen Lebens und der vier Jahreszeiten, wofür die Kerzen stehen, darf auch er nicht
fehlen. Geschmückt wird er mit dem Grün, das uns der Winter gelassen hat. Weiter sind der
Klausenbaum aus dem südlichem Raum Deutschlands, der Julleuchter sowie der Julbogen
verschiedene Varianten an denen man Kerzen anzünden kann.

Das Sinngebäck wird nach Tieren des Waldes oder heidnischen Symbolen gebacken. Es kann an allen
erwähnten Gegenständen befestigt werden.

Eines der bekanntesten und eigentlich doch schönsten Brauchtumserhaltungen ist der Julbaum. Der
Baumkult unserer Ahnen ist ja weit bekannt. Und so ist es nicht verwunderlich, daß es zur Julzeit auch
einen Julbaum gibt. Erstmals wird er in der Minnedichtung im 12. und 13. Jahrhundert erwähnt, später
hauptsächlich in Ratsverordnungen, die "das Ausputzen der Stuben mit Tannengrün und Bäumen"
verbieten. Noch 1935 bezeichnete der vatikanische 'Osservatore Romano', die amtliche Zeitung des
Papstes, die Sitte, zum Julfest einen Lichterbaum aufzustellen, als "ein Überbleibsel heidnischer
Naturbräuche". Heute wird er ironischerweise "Christbaum" genannt.


Sinnbilder der Lebenskraft.


Nun aber zurück zum Schmücken und Gestalten des Baumes. Es ist eine schöne Sitte, neben 13 weißen
Kerzen für Zahl der Monde in einem Jahr auch eine blaue Kerze an den Baum zu stecken, zum
Gedenken aller Deutschen, die fern der Heimat leben, und eine rote Kerze zum Gedenken an die Ahnen
und die Opfer der Kriege. Um die Ehre und die feierliche Stimmung beizubehalten, sollte diese nicht
durch elektrische Lämpchen zerstört werden. Auch sollte der Baum mit Äpfeln und Nüssen als
Sinnbild der Lebenskraft behangen werden.

Man kann auch mit Sinngebäck schmücken, doch wie auch schon die elektrischen Lämpchen würde im
Geschäft erworbener Baumschmuck nur stören und den tiefen Sinn des Brauchtums ruinieren - um
nicht unerwähnt zu lassen, daß selbstgemachter Schmuck immer noch am wirkungsvollsten ist und den
Wert des Baumes steigert. Unter dem Baum kann man einen kleinen Julgarten nachbilden, indem man
etwas Moos hinunter legt und Figuren aus dem heimischen Wald dazu stellt. Der Julbock ist ein aus
Stroh geflochtener Ziegenbock.


Die Geschenke sind nicht das wichtigste!


Um den Kindern heutiger Zeit nicht den Faden zu der Verbindung mit Tieren und dem Wald verlieren
zu lassen, ist es noch ein schöner Brauch, am Abend mit ihnen in den Wald zu gehen und für die Tiere
dort einen Baum mit Futter zu schmücken. Die Julfeier am Abend sollte mit Gedichten, Liedern,
Geschichten und musikalischen Stücken ausgeschmückt werden, um nicht das "Geschenke auspacken"
in den Mittelpunkt zu stellen.

Wir sollten von dem Weg abkommen, das Julfest nur zu feiern, um die größten, tollsten und vor allen
Dingen teuersten Geschenke zu bekommen. Am Ende muß aber jeder für sich selber entscheiden,
wonach sein Herz strebt.


*
Der Weihnachtstext von Edda Schmidt stammt aus "Deutsche Stimme", Postfach 10 00 68, D-01571
Riesa. Dort kann man die oben vorgestellten Weihnachtsbücher mit den angegebenen Bestellnummern
bestellen, auch per ePost: bestellung(A)ds-verlag.de

Anmerkung Seitenbetreiber: Ohne eine Wertung vornehmen zu wollen, kann ich das
"Hausbuch Deutsche Weihnacht" aus eigener Kenntnis empfehlen. Meine Frau hat
unseren Kindern in der Vorweihnachtszeit aus diesem Buch sehr gern vorgelesen. KHH.

* * * * * *

[Der Fontane-Text ist dem Weihnachtsbüchlein 2010 des WEISSEN RINGS entnommen.]

Diese Worte von Fontane zum 24. Dezember haben für mich einen doppelten Sinn.
Es ist bekannt, daß es Bestrebungen der Gutmenschenkaste in Europa gibt, aus
Rücksicht auf die bald die Mehrheit übernehmenden Mohammedaner das Weihnachts-
fest abzuschaffen. Gebremst werden die Bemühungen von der Geschäftswelt, die
einen Großteil des Jahresumsatzes in der Vorweihnachtszeit macht, aber anson-
sten sehe ich keinen wirklichen Widerstand, auch nicht bei den Kirchen. Zum
Zweiten beziehe ich Fontanes Worte: "Noch einmal ein Weihnachtsfest. Immer
kleiner wird der Rest..." auf uns Menschen und da wieder auf mich selbst. Je
hochbetagter, desto "kleiner wird der Rest". - Aber hier noch etwas Aufmun-
terndes von Erich Limpach "zu deutscher Weihnacht, das die enge Verbindung
unserer Vorfahren mit dem Jahreslauf wiedergibt, woraus Kraft und Hoffnung
wächst" (Dr. Gundolf Fuchs).

*

W E I H N A C H T .


Die Weihnacht ist kommen,
es schimmert weiß das Land.
Heut soll uns Freude frommen,
drum lohe hell der Brand
von Hügel, Berg und Baum,
weithin ob deutsche Lande,
bis in den ärmsten Raum.

Der Sonne geht's entgegen,
der Quelle aller Kraft,
die Fruchtbarkeit und Segen
und neues Leben schafft,
die uns den Sinn enthüllt
ew'gen Naturgeschehens,
das rings das All erfüllt.

So steh'n wir an der Wende,
die Hoffnung füllt uns ganz,
daß nach des Winters Ende,
Ringsum im grünen Kranz,
Feld, Wald und Wiesen steh'n
Weihnacht in deutscher Heimat,
wie bist du herrlich schön!


Erich Limpach


*

In diesem Sinne wünsche ich der gesamten WIDERHALL-Leserschaft frohe und
lichtvolle Weihnachts-Feiertage und ein zufriedenstellendes Jahr 2011 !

Karl-Heinz Heubaum
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Abgeschlossen in der Vorweihnachtszeit 2010.
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